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Beiträge zur Studie: 2009/03
Jugendliche und Alkoholwerbung Werbung verführt Jugendliche zum Trinken

| |  | | Je mehr Alkoholwerbung Jugendliche schauen, desto mehr Alkohol trinken sie. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine aktuelle DAK-Studie. Und: Alkoholwerbung wird eher von Jungen wahrgenommen als von Mädchen, sie erinnern auch die Marken häufiger.
Als bisher einziger seiner Art in Deutschland macht der neue Forschungsbericht deutlich, welch starker Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und dem Alkoholkonsum junger Menschen besteht. Fazit: Hoher Werbekontakt, hoher Alkoholkonsum. 3.400 Schüler im Alter von zehn bis 17 Jahren aus 174 Schulklassen nahmen an der großen Befragung teil. „Bisher basierte die deutsche Forschung in diesem Bereich auf internationalen Daten, die lediglich auf Deutschland übertragen wurden“, erläutert Dr. Cornelius Erbe, Leiter des DAK-Geschäftsbereiches Produktmanagement, die Studie. „Mit unserem Bericht schließen wir jetzt diese Lücke.“
Alkoholwerbung allgegenwärtig
In Deutschland ist es demnach als Jugendlicher fast unmöglich, nicht in Kontakt mit Alkoholwerbung zu kommen. Rum unter Palmen, Kräuterschnaps im Szene-Treff, Prosecco in der Frauenrunde – Alkohol soll gute Laune machen und die Werbung dafür spricht auch Jugendliche an. Mit offensichtlichem Erfolg: Lediglich 1,5 Prozent der befragten Schüler gab an, noch nie eine der in der Befragung vorgegebenen Alkoholwerbungen gesehen zu haben.
Hoher Werbekontakt, hoher Konsum
Weiteres Ergebnis: Jungen trinken häufiger und mehr Alkohol als Mädchen und neigen auch eher zum so genannten Risikokonsum. „Interessant dabei ist, dass Jungen Alkoholwerbung auch eher wahrnehmen als Mädchen“, so Erbe. „Bei Kontrollwerbungen, beispielsweise Werbung für Handys und Süßigkeiten, trat dieser Effekt nicht auf.
Das bedeutet, dass Jungen nicht per se interessierter an Werbung allgemein sind, sondern zeigt, dass sie besonders von Werbung für Alkoholika angesprochen werden.“ Auch beim Kontakt mit Alkoholwerbung und der Häufigkeit des exzessiven Alkoholkonsums zeigt die neue DAK-Studie einen bedeutenden Zusammenhang auf. So hat die Gruppe mit dem höchsten Werbekontakt doppelt so oft exzessiv Alkohol konsumiert wie die mit dem niedrigsten Werbekontakt.
Endstation Krankenhaus
Zwar nimmt der Alkoholkonsum in Deutschland – auch bei den Jugendlichen – derzeit insgesamt etwas ab, doch der Trend geht zum exzessiven Trinken. Getreu dem Motto: Wenn schon, denn schon. Die Folgen sind bekannt: Komasaufen und Krankenhauseinweisungen von immer jüngeren Jugendlichen. Allein in den vergangenen vier Jahren sind die Krankenhauseinweisungen von Minderjährigen mit einem gefährlichen Vollrausch um 36 Prozent gestiegen. Das belegen DAK-Krankenhaus-Daten. Mehr noch, die jüngsten von ihnen sind gerade einmal zwölf Jahre alt.
Konsequentes Handeln gefordert
"Die neue Studie belegt deutlich den Einfluss der Alkoholwerbung auf Kinder und Jugendliche“, bestätigt auch die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing. „Die heute vorgestellten Ergebnisse unterstreichen zudem die Ergebnisse eines Expertenberichts der Europäischen Kommission über den Einfluss der Alkoholwerbung auf Minderjährige. Auch dieser Expertenbericht kommt zu dem Ergebnis, dass Alkoholwerbung die Einstellung zu Alkohol sowie das spätere Trinkverhalten beeinflusst. Die kürzlich vorgenommenen Mini-Reformen des Deutschen Werberates reichen nicht aus. Nach wie vor ist der Deutsche Werberat nur aus Industrie-Vertretern zusammengesetzt. Zudem wird die Fernsehwerbung nicht vor der Ausstrahlung auf Übereinstimmung mit den Regeln der Selbstkontrolle überprüft. Ich bin dafür, dass in Deutschland Alkoholwerbung vor der Aussendung im Fernsehen durch den Deutschen Werberat auf Regelbefolgung überprüft wird. In zahlreichen Staaten wird diese Maßnahme bereits erfolgreich eingesetzt, darunter Großbritannien und Irland."
„Als Krankenkasse fordern wir, dass Werbewirtschaft und Politik hier endlich entschieden handeln. Angesichts des immer exzessiveren Konsums von Alkohol bei Kindern und Jugendlichen und aufgrund unserer neuen Studien-Erkenntnisse, bedarf es dringend einer Neuregelung“, ergänzt Erbe. „Die im letzten Jahr eingeführte Selbstverpflichtung reicht unserer Auffassung nach nicht aus, um Kinder und Jugendliche zu schützen.“
Eltern für Werbeverbot
Dass auch Eltern effektives Handeln fordern, zeigte bereits ein im vergangenen Jahr veröffentlichtes DAK-Gesundheitsbarometer*: 69 Prozent der Eltern sind der Meinung, dass Werbung ein zu positives Bild vom Alkohol vermittelt, 45 Prozent der Eltern fordern, Alkoholwerbung sollte generell verboten werden. 38 Prozent sind der Meinung, ein Werbeverbot für Alkohol würde besonders Kinder und Jugendliche vor den Gefahren des Konsums schützen.
Aufklärung als ein Baustein
Die DAK spricht Jugendliche effektiv zum Thema Alkohol an – mit der bundesweiten Kampagne „Aktion Glasklar“. Denn: „Es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Mit ‚Aktion Glasklar’ tragen wir dazu bei“, so Erbe. Jugendliche lernen dabei Wichtiges über Alkohol und die Folgen von Missbrauch. Eltern können sich mit Hilfe spezieller Materialien informieren. Lehrkräften und allen, die Kontakt zu Jugendlichen haben, stehen umfangreiche Unterlagen für Unterricht und Jugendarbeit zur Verfügung.
Infos zur Kampagne gibt es im Internet unter www.aktionglasklar.de oder in jedem DAK-Servicezentrum. Mehr als 14.500 Jugendliche haben an „Aktion Glasklar“ bisher teilgenommen.
* DAK-Gesundheitsbarometer, April 2008. Befragt wurden 1002 Eltern von Kindern im Alter bis 18 Jahren (repräsentative Forsa-Befragung). |

Erscheinungsdatum: | 
05/12/2009 |

Ansprechpartner/in: | 
Nina R. Osmers |

E-Mail: | 
nina.osmers@dak.de |
Beiträge zur Studie: 2009/03
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