DAK-Studie zu Mobbing und Gewalt: 55 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind Täter oder Opfer / Betroffene öfters krank

| |  | | Schüler in Deutschland leiden nicht nur unter Prüfungsangst und Leistungsdruck. Viele Kinder und Jugendliche werden von Klassenkameraden so schikaniert, dass darunter ihre Gesundheit deutlich leidet. Nach einer neuen DAK-Studie gehören Mobbing und Gewalt zum Schulalltag. 55 Prozent aller Schüler waren innerhalb der letzten drei Monate selbst Opfer oder Täter. Das zeigt eine aktuelle Befragung von über 1.800 Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren, die die Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der Krankenkasse an acht Schulen in vier Bundesländern durchgeführt hat.
Fast jeder dritte Schüler (31,2 Prozent) gibt an, in letzter Zeit mindestens einmal „fertig gemacht oder schikaniert“ worden zu sein, wobei der Anteil der betroffenen Jungen und Mädchen nahezu gleich war. Mobbing ist eine Form der psychischen Gewalt, die sich als dauerhaftes Quälen wiederholt an einzelne Opfer richtet, die sich nicht oder kaum zur Wehr setzen können. Zwölf Prozent der Schüler berichten, dass sie Opfer von mehrfachen Attacken wurden. Als Täter von Mobbinghandlungen sehen sich 37 Prozent der Kinder und Jugendlichen, wobei 14,5 Prozent auch mehrfach aktiv waren.
15 Prozent der Befragten setzen selbst körperliche Gewalt gegen Mitschüler ein, davon jeder vierte auch mehrfach. Jeder zehnte Schüler ist mindestens einmal zum Opfer von Schlägereien und Raufereien in der Klasse, auf dem Schulgelände oder auf dem Schulweg geworden. Der Anteil der Jungen liegt mit 11,4 Prozent deutlich über dem der betroffenen Mädchen (7,5 Prozent).
Schlechte Gesundheit bei Mobbingopfern
„Die Ergebnisse unserer aktuellen Studie bestätigen andere Mobbing-Untersuchungen und zeigen den großen Handlungsbedarf bei der Gewaltprävention an Schulen“, erklärt Dr. Cornelius Erbe, Leiter des DAK-Geschäftsbereiches Produktmanagement.
„Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass sich Mobbing und körperliche Gewalt in vergleichbarem Maße negativ auf die Gesundheit der Opfer auswirken. In beiden Fällen können die Folgen gravierend sein.“ Im Vergleich zu den anderen Schülern beschreiben die Betroffenen ihren Gesundheitszustand und ihre körperliche Leistungsfähigkeit als deutlich schlechter und sind unzufrieden mit ihrem Aussehen. Zudem sind viele Schüler sozial isoliert. Im Vergleich zu Nicht-Opfern geben Mobbing-Opfer dreimal häufiger an, nie oder selten etwas mit Freunden in der Woche zu unternehmen.
Wenig Unterstützung durch Lehrkräfte
Beim Mobbing spielen offensichtlich die Schulkultur und das Verhalten der Lehrer eine große Rolle. Mobbingtäter geben an, dass Lehrer bestimmte Schüler bevorzugen oder benachteiligen. Die Täter sind weniger zufrieden mit ihren Schulleistungen und haben deutlich weniger Lust auf Schule als Nicht-Täter. Mehr als jedes zweite Opfer von Mobbing und Gewalt gibt an, dass es von den Lehrkräften nicht unterstützt wurde.
Die aktuelle Studie entstand im Rahmen der DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“. Dabei begleitet und berät die Leuphana Universität Lüneburg für die Krankenkasse inzwischen bundesweit 20 Schulen, die sich freiwillig für das dreijährige Projekt beworben haben. Die Gesundheitsziele werden von jeder Schule individuell festgelegt. Grundlage ist eine umfassende Befragung von Schülern, Lehrern und Eltern zum Schulalltag und Schulklima.
Gute Schulkultur kann Gewalt verhindern
„Die teilnehmenden Schulen sind keine Problemschulen, sondern ganz normale Einrichtungen“, erklärt Projektleiterin Anica Richardt von der Leuphana Universität Lüneburg. „ Unsere Befragung zeigt, dass Mobbing und Gewalt deutschlandweit zum Schulalltag gehören. Wer Gewalt verhindern will, muss sich insgesamt für eine gute Schulkultur einsetzen.“
In der Diskussion über Ursachen und Lösungen warnt die DAK vor Schnellschüssen. „Das Problem muss ganzheitlich angegangen werden“, betont Dr. Cornelius Erbe. Als sinnvollen Ansatz zur Gewaltprävention sieht die Krankenkasse folgende Punkte:
- Klare und verbindliche Regeln für den Schulalltag, bei denen die Schüler mit einbezogen werden sollten.
- Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern sollte von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt sein.
- Unter den Schülern sollte die Fähigkeit zur gewaltfreien Konfliktlösung aufgebaut werden
- Zu hoher Leistungsdruck sollte vermieden und Prüfungsangst abgebaut werden.
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